Zwei große Boards gibts am Laggerhof zu mieten. Preis passt, somit ist der Tagesplan klar: ab ins Wasser – bei Kaiserwetter hält mich nichts im Zimmer.

Ein erster Versuch ist vielversprechend, der Körper erinnert sich ans letzte Jahr – diesmal jedoch mit besserem Material, das Board ist wesentlich stabiler. „95% der Anfänger fallen nicht mal ins Wasser“. Stimmt – ich gehöre dazu. Kleine Rundfahrt, die Waden geben Signal, also zurück ans Ufer um zu entspannen und Sonnenschutz und Brille anzulegen.

Zweiter Anlauf. Diesmal läuft es entspannter. Die Waden bleiben locker, alles wie es sein soll. Sofort stellt sich Ruhe ein. Aufrecht, konzentriert, eing’schmiert. I am the king of the lake. Zeit zu reflektieren und zu beobachten. Nix zu tun, der Körper macht alles automatisch. Gleichgewicht halten, lautlos das Paddel durch das Wasser ziehen. Je leiser desto besser. Die Umwelt nicht stören.

Wie kleine Drohnen schwirren Libellen um mich herum. Blau glitzernd, länglich, manche fliegen im Tandem – den Kopf mit dem Hinterleib der vorderen Libelle verhakt – ihr typisches Paarungsverhalten. Aber vielleicht macht es ihnen einfach nur Spaß. So wie mir – das Paddeln.

Ich komme zum Schluss, dass Stand Up Paddeling der beste Weg ist die Natur am Ufer zu beobachten. Der vertikale Abstand zum Wasser erlaubt eine bessere Sicht in den See – zwischen den Wasserpflanzen sehe ich erstaunlich große Fische. Und sie sehen mich. Hauen gleich ab. Logisch – für die muss ich ein Monster sein.

Ich paddle auf den offenen See hinaus. Nicht viel zu sehen – das Wasser schimmert blau – am Ufer ist es wohl abwechslungsreicher – also zurück. Und tatsächlich. Die Szenerie ändert sich ständig: Wasserpflanzen über die ich hinweggleite erinnern an die „Säulen der Schöpfung“ im Adlernebel – nur als grünliches Hologramm.

Pause am Ufer. Hinlegen aufs Board. In den Wald hinein hören. Wie ist es ein Baum zu sein? Was spürt ein Käfer wenn er den Ast entlang krabbelt? Wie nehmen die Tiere des Waldes uns Menschen wahr? Sind wir ihnen egal?

Neben mir steigen Blasen auf. Sind das Fische die ’n paar Blasen blubbern lassen? Mir fällt auf, dass ich keinen Zeitbegriff habe. Wie lange bin ich schon unterwegs? Eine Stunde? Zwei? Völlig egal. Doch – eine Konstante gibt es: Hunger. Also zurück zum Laggerhof. Gisela hat sicher wieder was Tolles gekocht. Ich habe plötzlich Appetit auf Fisch …


Über den Autor: 
Fritz Vesely, MSc | Gestaltet Websites und -shops, bloggt gerne über Reisen, macht gerne Urlaub bei Freunden – in diesem Fall bei Kohlmaiers am Laggerhof.